Der Hudson River-Effekt

Spiegel-Online: AIRBUS-UNGLÜCK AUF TWITTER

Es war eine Sternstunde für Twitter, den seltsamen Kurznachrichtendienst: Viel schneller als über die professionellen Medien verbreiten sich dort erste Informationen und Fotos über die Notlandung eines Airbus auf dem Hudson River. Schlägt nun die Stunde des Bürgerjournalismus?

Nein, wie die Tragödie von Winnenden, das nun auf immer mit AMOK verknüft sein wird, gestern bewies. Es schlägt die Stunde der Abstumpfung, der schonungslosen Entblößung der Opfer und die Belohnung der Gaffer am virtuellen Gartenzaun. Diese Belohnung ist Aufmerksamkeit. Die kostbarste virtuelle Währung!

Bekommen die Sensations-Journalisten wenigstens noch gutes Geld für ihre Schamlosigkeit – was als Motiv gesellschaftlich akzeptiert ist (siehe Bank-Manager) – die Bild-Zeitung und Stern TV hohe Werbeeinahmen durch den Gaffertratsch und einer wirklich unerträglichen Betroffenheits-Kultur, verdingen sich die aufmerksamkeitsgeilen Bürgerjournalisten auf Twitter kostenlos.

Als letzte Entgrenzer und Vorreiter der Auflösung von Pietät, Würde und Menschlichkeit. Vielleicht muss man erst selbst betroffen sein, um zu verstehen – um sich abzuwenden von DIESER Öffentlichkeit!

Siehe auch Via Stefan Niggemeier:
SPREEBLICK: Rotten Media
Niggemeier: Amok twittern
Anmerkungen eines Medienmenschen: Amoklauf: Jetzt live!

Übrigens: Für mich sieht es so aus, als sei das Geiseldrama von Gladbeck 1988 vollkommen in Vergessenheit geraten. Denke, die meisten Bürger und Journalisten waren damals noch viel zu jung. Dabei sind die dramatischen Ereignisse dieser Geiselnahme und die fatale Rolle der Presse Standard-Wissen! Stichwort: Medienkompetenz!

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