Als Webdesigner wird man oft mit seltsamen “Geschichten” oder “Haltungen” konfrontiert, die der Aufklärung bedürfen. Manchmal sieht es so aus, als dächte der Laie, ein Grafikdesigner und auch ein Kommunikationsdesigner würden von Haus aus auch Webseiten gestalten können. Leider, nein, dem ist nicht so.
Für Webdesign braucht man sehr viel Erfahrung und vor allem hat gutes Webdesign nicht nur eine optische und kommunikative Aufgabenstellung, sondern vor allem eine technisch. Diese technischen Anforderungen beruhen auf ganz bestimmten Eigenschaften des Internets an sich. Darauf wollen wir hier nicht eingehen. Jedoch sollte es jedermann einleuchten, dass eine Website in unserm gigantischen Internet weniger ist als die berühmte Nadel im Heuhaufen. Denn wenn man untaugliche Techniken benutzt – die durchaus noch im Einsatz ist – wird man u.U. gar nicht gefunden. Niemals.
Da nun verschiedene Techniken und Systeme im Netz – Content-Management-Systeme, HTML, Bildformate etc. – zum Einsatz kommen, kann auch nicht jedes Design, nicht jeder Wunsch umgesetzt werden. Web ist eben nicht gleich Print. Gestaltung und Design an sich haben viele Regeln, die man beherzigen muss. Und die Regeln, die im Print angewandt werden, sind im Netz natürlich nicht falsch. Sondern im Netz kommen noch andere Regeln hinzu. Diese muss man für jede Website neu aufklären und bestimmen.
Es geht nach meiner Meinung beim Webdesign in erster Linie um Funktionalität – Usability, intuitive Bedienung – und um suchmaschinenoptimierte Gestaltung – damit eine Website überhaupt gefunden werden kann. Außerdem ist Webdesign eine kontinuierliche Aufgabe (Webmasterei), sowohl in technischer, als auch in grafischer und INHALTLICHER Hinsicht. Und gerade daran hapert es oft bei vielen: am guten und relevanten INHALT, den Suchmaschinen genauso gut verstehen, wie einfache User.
Ist es vielleicht manchmal so, dass eine laute Optik die schwachen Inhalte verdecken soll? Um gut über Google gefunden zu werden brauchen wir aber sehr, sehr guten Inhalt. Und deshalb ist aus meiner Sicht – auf Basis der Faustregel “der Inhalt bestimmt die Form” – Inhalt immer wichtiger als Layout. Das Netz ist voll mit diesen Beispielen. Natürlich ist es am Besten, beides wäre herausragend. Aber genau das braucht eben viel Erfahrung und Know How – und als Kunde recht viel Geld. “Nur” gutes Grafikdesign genügt einfach nicht.
Immer wieder werde ich mit der Haltung konfrontiert, eine zum Geschäft passende “Homepage” im Netz zu haben, ohne den leisesten Schimmer davon zu haben, dass eine solche Website von jemanden gepflegt werden muss. Es scheint fast so, als würde viele Menschen glauben, es genüge, einfach eine Website, einen Blog oder irgendeinen Account im Netz zu haben und die dicken Fische würden sich dann darin verfangen.
Und genauso wird man mit “Designern”, mit Grafikdesignern konfrontiert, die nur glauben sie verstünden, was gute Websites ausmacht. Manchmal denke ich, dass einige Leute schon meinen, Sie seien Experten, wenn sie den einen oder anderen Begriff oder Zusammenhang verstanden haben. Und genau diese Art Aufklärung, die der Webdesigner dann leisten muss, kostet viel Zeit und Kraft
Vielleicht wäre es einmal interessant, meine Erfahrungen an dieser Stelle an konkreten Beispielen deutlich zu machen. Da ich niemanden zu nahe treten möchte, muss ich mir die Form noch einmal überlegen. Aber vielleicht würden diese Erfahrungen ändern, zukünftigen Kunden helfen.
Ich als sehr erfahrener Hamburger Webdesigner behaupte: Die meisten Grafikdesigner haben keine Ahnung vom Netz, von Websites und deren Anforderungen.
Natürlich, der Kunde könnte zu einer Agentur gehen, in der für jedes Gebiet, für jede Aufgabe die entsprechenden Fachleute sitzen oder herangezogen werden können. Mir sind aber durchaus namhafte Agenturen bekannt, die zwar gutes Design liefern, aber verschiedene Gesetze der Internet-Technologie nicht berücksichtigen (können oder wollen).
Es gibt noch viel mehr zu diesem Thema zu sagen. Ich belasse es zunächst dabei und melde mich später dazu noch einmal zu Wort.
Merke: Nicht jeder Webdesigner ist ein Grafikdesigner – und nicht jedes Grafikdesign taugt für eine Website
Foto: Bianca H
Ich bin immer wieder sehr verwundert, wie wenig Menschen gutes Webesign, einfach gutes Layout erkennen können. Die Theorie sagt zwar, dass jeder gutes Design unbewußt erkennt, und gar nicht sagen kann, warum er ein Design gut findet. Die Praxis aber und die Statements der vielen angeblichen Profis im Webdesign-Geschäft, sprechen eine andere Sprache.
Viele beurteilen eine Website nach persönlichem Geschmack. Das ist dann zulässig, wenn es sich um einen einfach Laien handelt. Man kann ihn aufklären über die Regeln der Kunst, über gutes Design und welche Kriterien es erfüllen muss.
Allerdings gibt es viele Berufskollegen, die auch von ihrem Geschmack ausgehen und mit Design gar nichts am Hut haben. Ich bin auch kein Designer, bin weder ein Talent, noch studierter Grafik-Designer (diese Menschen bringen im Gegensatz zu mir oftmals keinen vernüftigen Code zustande). Aber ich erkenne gutes Design, wenn ich es sehe, ich besitzt das sogenannte “grafische Auge”, erkenne teilweise Verschiebungen um einen einzigen Pixel.
Warum manches Layout unvollkommen ist und beispielsweise jene Pixelverschiebungen aufweisen, kritisieren meist Leute, die es besser wissen sollten, die wissen, wie diese kleinen Fehlerchen zustande kommen. Das Budget war aufgebraucht, der Entscheider hat es so abgenommen, es sollte zu dem und dem Termin fertigwerden, für Feinheiten blieb keine Zeit …
Das man diese Sache einen Webdesigner anlastet – dafür habe ich Verständnis. Nur sieht der Nutzer diese Dinge gar nicht. Und wie gesagt, diejenigen, die sie sehen, sollten es besser wissen.
Klar ist, dass viele, die Webdesign anbieten oder irgendwann mal angeboten haben, keine Ahnung von gutem Design haben. Der eine kann Photoshop sehr gut, kann Collagen, Illustradionen, Grafik im dem Bildbearbeitungsprogramm basteln. Damit kann er noch nicht DESIGNER und schon gar nicht webdesigner.
Der nächste kann besser Seiten entwerfen, Layout, ein andere besser coden, also Quelltext schreiben. Und so gibt es nicht viele, die das Entscheidende zusammenführen … und gutes Design umsetzen können. Aber die Klappe haben sie alles auf.
Wie beurteilt man denn nun gutes Design? Viele Websites sind überladen, sehen toll aus, doch werden von Google nicht gut gelistet, manche Seiten sind spröde und lieblos, da sieht man das Dont-know an jeder Ecke. Andere haben grandiose Logos oder tolle Bilder – und das wars.
Gutes Webdesign ist mehr als all das. Man braucht Maßstäbe.
Um gutes Design zu beurteilen, bewertet man zunächst die Einhaltung klassischer Designregeln:
Mit diesen Regeln kommen wir schon sehr weit. Wobei wir die Fallstricke noch gar nicht besprochen haben. Gute Arbeit braucht seine Zeit. Rom, sage ich oft, wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Deshalb beurteilt man gutes Design eben auch nach Anspruch, Zeitaufwand und den Zusammenhang in dem es steht. Eine frisch gestaltete Website beurteile ich anders, als eine 3 Jahre alte.
Im Webdesign gibt es noch zusätzliche grafische Regeln und diese betreffen die sogenannte Usability. Usability oder besser: Benutzerfreundlichkeit glaubt in meiner Branche mancher schon zu kennen nur weil der darüber mal gelesen hat. Dabei ist es tatsächlich beinahe eine Wissenschaft.
Sicher, viel kann man intuitiv gestalten, deshalb spricht man ja von “intuitiver Benutzerführung”, ein weiteres Stichwort zu Website-Gestaltung – Benutzerführung.
So ist es gute Sitte geworden, die Suche einer Website im oberen Bereich zu positionieren und hier meistens rechts. Das Logo befindet sich dagegen oben links. Es gibt Ausnahmen, aber wenige und diese müssen gestalterisch gut begründet sein. Beispielsweise ist es ein übler Fehler ein Suchfeld ohne Submit-Button (Such-Knopf) auf die Website zu stellen (wie es zuletzt scheinbar modern war).
Andere “Regeln”, die besagen, dass ich mit maximal 2 Klicks zum Ziel kommen muss, beruhen auf Erfahrungswerten oder mal ehrgeizigen Unternehmenszielen. Wobei man hier ins Feld führen muss, dass manhce Designs und auch manche Funkionen darauf ausgelegt sind, das maximale an Klicks herauszuholen, denn die Anzahl Page-Views im Website-Tracking (Meßverfahren, Traffic-Analyse) erhöht sich dadurch und man kann dem Werbekunden mehr Klicks nachweisen.
Um den Artikel nicht zu lang werden zu lassen, hier ein erstes Fazit (das Thema wird zukünftig weiter verfolgt und ergänzt): Gutes Webdesign ist keine Geschmackssache. Das Design einer Website zu beurteilen ist eine komplexe Angelegenheit. Nur wenige sehr erfahrene Webdesigner können Website-Design in ein paar Minuten beurteilen. Sehr viele Faktoren fließen in eine seriöse Beurteilung mit ein. Ein Laie ist damit überfordert.
Eine sehr gute Website in diesem Sinne ist ZDF.DE
Fortsetzung folgt